Erklärung

Sitzen ist eine für den Menschen eher unnatürliche Haltung. Vor allem Dauersitzen ist eine Strapaze für den Rücken und führt oft zu Rückenschmerzen. Diese können aber vermieden werden, wenn die Grundsätze des ergonomischen Sitzens beachtet werden und Bewegung in den Arbeitsalltag eingebaut wird, denn Ursachen für falsches sitzen sind oft mangelhaftes Wissen über die Bewegungs- und Einstellungsmöglichkeiten von Stuhl und Tisch, fehlende Motivation, bewusst zu sitzen, falsche Sitzgewohnheiten, oder auch schlichtweg ungeeignetes Mobiliar.

Die richtige Einstellung eines Stuhles entscheidet darüber, ob man dem Körper das bestmögliche Sitzerlebnis ermöglicht oder ihn, und dadurch das gesamte Wohlbefinden, unnötig belastet.

Da jeder Mensch in Körpergröße und Körperbau unterschiedlich ist, sollten Stühle, vor allem, wenn man darauf länger sitzt, individuell einstellbar sein und dynamisches Sitzen fördern (z.B. durch eine bewegliche Rückenlehne). Im Anschluss an den Stuhl sollte optimalerweise auch die Tischflächenhöhe an den Benutzer angepasst werden.

Grundsätzlich gilt für gesundes Sitzen: ein mindestens 3-4 maliger Wechsel der Sitzhaltung pro Stunde sollte eingehalten werden. Dabei gilt: die nächste Haltung ist immer die Beste.

Ziel

Ziel des ergonomischen Sitzens ist es körperlichen Schäden und Beeinträchtigungen vorzubeugen, um konzentriertes, effektives Arbeiten und Komfort zu ermöglichen.

Vorgehen

Um eine Sitzgelegenheit ergonomisch zu gestalten, müssen bestimmte ergonomische Grundprinzipien beachtet werden.

Dies sind zunächst Körpermaße, die sich aus anthropometrischen Tabellenwerken auslesen lassen. Üblicherweise orientiert man sich bei höhenverstellbaren Sitzmöglichkeiten an Maßen zwischen dem 5. Perzentil (Frau) und dem 95. Perzentil (Mann), da hierbei in einer gewissen Altersgruppe ca. 90% der Anwender angesprochen werden. Ist ein Stuhl nicht verstellbar orientiert man sich im besten Fall an einem Mittelwert aus 50. Perzentil (Frau) und 50. Perzentil (Mann). In dem Buch „kleine ergonomische Datensammlung“ (Wolfgang Lange, Armin Windel) sind z.B. optimale Sitzhöhen für bestimmte Altersgruppen angegeben.

Wichtig für das Sitzen ist, dass Bewegungsfreiheit gegeben ist oder, dass die Bewegung sogar angeregt wird (s. Gymnastikball), um die Durchblutung der Wirbelsäule und dadurch des Gehirns zu fördern.

Auch zu beachten ist, um welche Art des Sitzens es sich handeln soll: bequemes Sitzen, aufrechtes und aufmerksames Sitzen, eine Mittelstellung aus Sitzen und Stehen, eine Art von Anlehnen? Welche Art von Arbeit wird sitzend verrichtet? Geht es darum einen Film anzuschauen, bei dem man möglichst nicht einschlafen soll? Ist es kleinteilige, diffizile Arbeit (müssen Ellbogen unterstützt werden?) oder solche, bei der große Bewegungsräume nötig sind, vielleicht sogar verschiedene Sitzhöhen für unterschiedliche Tätigkeiten? Welche Zielgruppe soll den Stuhl benutzen? Geht es um Kinder, bei denen die Sitzgelegenheit mitwachsen soll oder ist die Zielgruppe bereits ausgewachsen? WIe lange soll/muss gesessen werden?

Tipp

Der Kontext spielt in der Gestaltung auch eine wichtige Rolle:
Steht ein Stuhl in einem Altenheim, ist dieser mit Stoff weich gepolstert und möglichst schwer, damit sich Senioren daran festhalten können und dass das Risiko des Kippelns minimiert wird. Allerdings bereitet dieser Stuhl dem Reinigungspersonal und Betreuern Schwierigkeiten, da sich verschüttete Flüssigkeiten nur schlecht entfernen lassen und der Stuhl nur mit großer Anstrengung weggetragen werden kann, was den ergonomischen Aspekten der Arbeitsplatzgestaltung der Mitarbeiter widerspricht.

Quellen

Beispiele