Erklärung

Die Schmarotzerphilosophie entspricht einer Übersetzung von Symbiose und Parasitismus auf das weite Feld des Designs.


Parasitismus bedeutet bedeutet, dass Parasiten/Schmarotzer (Synonyme nach Duden auch Schnorrer und Nutznieser) sich zu Ressourcenerwerb durch Evolution (Mutation, Rekombination und Selektion) an deren jeweiligen Wirtsorganismus angepasst haben. Ein Großteil der Schmarotzer nutzen ihren Wirt sehr effizient, da das Leben des Wirts Grundlage für das Leben des Schmarotzers bietet. Dennoch gibt es auch solche, die den Wirt schwächen, oder gar töten. 


Die Schmarotzerphilosophie beinhaltet aber neben dem Parasitismus auch die Symbiose. Hierbei geht es in der Biologie darum zwischen mindestens zwei Organismen eine Kooperation mit gegenseitigem Nutzen zu bilden. Es gibt Formen, in denen beide Partner ohne einander lebensfähig sind, in anderen Formen besteht eine essentielle Abhängigkeit von einem zum anderen.


Im Design bedeutet das Schnittstellen an bestehenden Produkten, oder Normteilen aufzudecken, an die artenfremde Produkte andocken können um diese zweckzuentfremden, effizienter zu machen, „aufzupimpen“ , zu verbessern oder schlichtweg auszunutzen. Schnittstellen können auch bestehende Energiequellen, wie beispielsweise auch Abwärme sein, die von einem Schmarotzerprodukt angezapft werden.

Ziel

Ziel der Schmarotzerphilosophie ist es dazu zu inspirieren adaptive Funktionseigenschaften von Objekten und Produkten zu entdecken und auszunutzen. Daraus können neue, möglicherweise unerwartete Eigenschaften erweitert und erschlossen werden. Dabei können Produkte additional oder eigenständig sein.


UNTERSCHEIDUNGEN

  • „Richtige Schmarotzer“
    Diese nutzen ihren Wirt aus, ohne diesem einen Vorteil zu verschaffen. 
  • „Umnutzer“
    Bei dieser Spezies handelt es sich um eher „einfühlsame“ Schmarotzer. Um zur Entfaltung zu gelangen, nutzen sie nur temporär die Schnittstelle zu einem Wirtsprodukt, ohne dieses zu beschädigen oder zu verändern. 
  • „Image-Schmarotzer“
    Auf den ersten Blick sind sie selbstständige Produkte unserer Warenwelt. Sie befallen keinen Wirt. Und doch bedienen sich in ihrer Erscheinung, in ihrem Nutzen einem bestehendem Trend, einem Image, das sie kopieren. Somit knüpfen sie indirekt an den Erfolg eines bestehenden Produktes an.
  • „Pimper“
    Sie befallen vor allem „langweilige Massenprodukte“, um diesen einen Zusatznutzen zu liefern. Im klassischen Sinne sind sie keine Schmarotzer, sondern gehen eine Symbiose mit dem Wirt ein. 

Vorgehen

  1.  Wie kann sich ein künftiges Produkt an einem Wirtprodukt bedienen?
  2.  Wo im Umfeld eines Produkts gibt es leicht zugängliche Schnittstellen?
  3.  Welche Produkte haben ähnliche Eigenschaften?
  4.  Welche Andockmöglichkeiten hat ein potentieller Wirt?

Tipp

Es gibt bereits sehr viele Schmarotzerprodukte auf dem Markt, die leider häufig nur auf den Wohnbereich beschränkt sind oder sich auf Optik/ Ästhetik beziehen. 


Auf vorangehenden studentischen Beispielen wird aber gezeigt, dass es aber bereits eine große Zahl von praktischen und sinnvollen Produkten gibt und vor allem eine große Zahl von Andockmöglichkeiten und Schnittstellen, da Schmarotzerprodukte zwar eigenständig sein können, aber nicht gänzlich ohne Wirt funktionieren.

Quellen

https://de.wikipedia.org/wiki/Parasitismus
https://de.wikipedia.org/wiki/Symbiose
http://www.duden.de/rechtschreibung/Schmarotzer
http://www.duden.de/suchen/dudenonline/schmarotzer


Studienarbeiten:

Außenleuchte - Möhwald - Deszö - Mäuser - Küllmer - WS 12/13

Redesign it - Hühnlein - Leketas - SS 16

Formholz - Apel - Hoffart - WS 10/11

Schmarotzerprodukte - Hansen - Peukert - WS 07/08

Schmarotzerprodukte - Buch - Möller - WS 07/08

Dreirad - Polka - Neukäufer - Weber - WS 13/14

Beispiele