Erklärung

Laut dem Entwickler der Widerspruchsanalyse (TRIZ Methode), G.S. Altschuler ist eine Widerspruchsanalyse das „zentrale, immer wieder Innovationen provozierende Element tausender Patentschriften“. (1)

Bei einer Widerspruchsanalyse geht es darum Widersprüche, z.B. bei einem zu entwickelnden Produkt, einem Prozess, einer Dienstleistung oder einer Aufgabenstellung, aufzudecken (z.B. Ein Bügeleisen muss schwer sein, um Falten zu glätten, aber für die Handhabungmöglichst leicht). Diese Widersprüche müssen einander gegenübergestellt werden, um Lösungen zu entwickeln, die vorliegende Widersprüche möglichst kompromisslos beseitigen.

Speziell auf Produkte bezogen gibt es zwei Arten von Widersprüchen: Widersprüche können technischer oder physikalischer Art sein.

Ein technischer Widerspruch basiert auf technischen Parametern wie Akkulaufzeit, Größe, Gewicht, Stromzufuhr, Leistung, etc. . Häufig wird ein Parameter verbessert, wodurch ein anderer verschlechtert wird. Kompromisse führen dazu, dass ein Parameter mäßig verbessert wird, wodurch ein anderer nur geringfügig schlechter wird. Innovative Lösungen basieren darauf, das ein Parameter verbessert wird, ohne den anderen (negativ) zu beeinflussen. (Beispiel eines technischen Widerspruchs: Ein Fahrzeug soll schnell und wendig sein, allerdings gleichzeitig eine möglichst große Ladekapazität haben)

Physiskalische Widersprüche liegen häufig technischen Widersprüchen zugrunde. Sie liegen dann vor, wenn eine geforderte Eigenschaft konträr zu einer anderen ist oder eine Funktion für eine bestimmte Forderung in einem physikalischen Zustand vorliegen sollte, der aber, um den Bedingungen einer anderen Forderung zu genügen, nicht vorliegen darf. (Beispiel eines physikalischen Widerspruchs: Ein hoch temperaturempfindlicher Chip muss angelötet werden)

Grundlage für die Lösung vor allem technischer Widersprüche ist ein möglichst hoher Abstraktionsgrad um die Problemsituation möglichst allgemein darzustellen.

Ziel

Ziel der Widerspruchsanalyse ist es eine innovative und anspruchsvolle Lösung dadurch zu generieren, dass vorliegende Widersprüche möglichst ohne Kompromisse überwunden werden.

Vorgehen

Es gibt bestimmte Gesetzmäßigkeiten bei den Wegen zu Erfindungen. Vier Grundregeln wurden bei der Analyse von über 2,5 Millionen Patenten entdeckt:

  1. Eine exakte, abstrakte Problembeschreibung legt häufig den Grundstein zu innovativen und kreativen Problemlösungen
  2. Viele Problemstellungen wurden in artfremden Bereichen inhaltlich vergleichbar gelöst und können auf eigene Problemstellungen transferiert werden.
  3. Widersprüche sind das innovationsprovozierende Element schlechthin
  4. Es gibt Vorgehensweisen zum Re-Design technischer Systeme


Ein Teil dieser Vorgehensweise ist die Innovationscheckliste: Sie soll helfen, das zu lösende Problem präzise zu beschreiben und umfasst folgende Punkte:

  • Informationen über das zu verbessernde System und dessen Umfeld
  • Derzeitige Systemstruktur
  • Arbeitsweise des Systems
  • Verfügbare Ressourcen
  • Detailinformationen zum Problem
  • Grenzen der Systemänderung
  • Analoge Lösungsansätze
  • Auswahlkriterien für die Lösungskonzepte

Diese Checkliste kann auch bei anderen Kreativitätstechniken zum Einsatz kommen.

Bei allen Verfahren gilt grundsätzlich, das Problem direkt zu Beginn klar und detailliert zu beschreiben.

Tipp

  • Funktions- und Prozessanalysen können dabei helfen Widersprüchen auf die Schliche zu kommen und Probleme und Herausforderungen zu abstrahieren.

  • Weitere Werkzeuge zur Widerspruchsanalyse finden sich unter http://www.triz-online.de/index.php?id=555

  • Die Analyse von  hoch innovativen Patenten zeigt, dass immer wieder bestimmte Eigenschaften (39 technische Parameter) miteinander im Widerspruch stehen,
    unabhängig von Branche und Sachgebiet.

    Die 39 technischen Parameter sind:

    1.    Masse/Gewicht eines beweglichen Objektes
    2.    Masse/Gewicht eines unbeweglichen Objektes
    3.    Länge eines beweglichen Objektes
    4.    Länge eines unbeweglichen Objektes
    5.    Fläche eines beweglichen Objektes
    6.    Fläche eines unbeweglichen Objektes
    7.    Volumen eines beweglichen Objektes
    8.    Volumen eines unbeweglichen Objektes
    9.    Geschwindigkeit
    10.    Kraft
    11.    Spannung oder Druck
    12.    Form
    13.    Stabilität der Zusammensetzung des Objektes
    14.    Festigkeit
    15.    Haltbarkeit eines beweglichen Objektes
    16.    Haltbarkeit eines unbeweglichen Objektes
    17.    Temperatur
    18.    Sichtverhältnisse
    19.    Energieverbrauch eines beweglichen Objektes
    20.    Energieverbrauch eines unbeweglichen Objektes
    21.    Leistung, Kapazität
    22.    Energieverluste
    23.    Materialverluste
    24.    Informationsverluste
    25.    Zeitverlust
    26.    Materialmenge
    27.    Zuverlässigkeit/Sicherheit
    28.    Meßgenauigkeit
    29.    Fertigungsgenauigkeit
    30.    Von Außen auf das Objekt wirkende schädliche Faktoren
    31.    Vom Objekt selbst erzeugte schädliche Faktoren
    32.    Fertigungsfreundlichkeit
    33.    Bedienkomfort
    34.    Instandsetzungsfreundlichkeit
    35.    Adaptionsfähigkeit, Universalität
    36.    Kompliziertheit der Struktur
    37.    Kompliziertheit der Kontrolle und Messung
    38.    Automatisierungsgrad
    39.    Produktivität/Funktionalität

Quellen

(1) scinnovation.cn/wp-content/uploads/soft/100920/6-100920224534.pdf
Script Entwurfsmethodik 1 & 2; Prof. Wolfgang Schabbach
Methoden der Produktentwicklung, Prof. Dr.-Ing. W. Engeln

Wikipedia

www.triz-online.de 

www.c4pi.de

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Beispiele